Vibrationen

Unter Vibrationen werden entsprechend dem ILO-Übereinkommen Nr. 148 alle mechanischen Schwingungen verstanden, die durch feste Körper auf den menschlichen Körper übertragen werden und gesundheitsschädlich oder anderweitig gefährlich sind.

Auch wenn die Fallzahlen der Berufskrankheiten zurückgehen und der technische Fortschritt Verbesserungen bei der Vibrationsminderung gebracht hat, darf keine Entwarnung gegeben werden.

Mobile Arbeitsmaschinen, Zugmaschinen oder Gabelstapler übertragen nach wie vor mechanische Schwingungen über die Fahrersitze auf den Menschen (Ganzkörper-Vibrationen). Beim Arbeiten mit handgehaltenen oder handgeführten Maschinen sind die Bedienpersonen der Einwirkung mechanischer Schwingungen auf das Hand-Arm-System ausgesetzt. Bei schlagend arbeitenden Geräten (z. B. Meißelhammer, Niethammer) entstehen die mechanischen Schwingungen durch das Arbeitsprinzip, bei rotierend arbeitenden Maschinen (z. B. Schleifmaschinen) durch Unwuchten drehender Teile oder durch Wechselkräfte bei der Materialbearbeitung.

Die LärmVibrationsArbSchV schließt eine lange bestehende Lücke im deutschen Rechtssystem, denn weder für die Hersteller von vibrierenden Geräten bzw. Maschinen noch für deren Anwender war bis 2007 in Deutschland verbindlich geregelt, wann tatsächlich eine Gefährdung der Sicherheit oder der Gesundheit besteht. Mit der Verordnung bekommen die Arbeitgeber verbindliche Aussagen, ab wann und wie Gesundheitsgefährdungen durch Vibrationseinwirkung in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen sind.

Die LärmVibrationsArbSchV setzt die Richtlinie 2002/44/EG in nationales Recht um. Dabei wurden die Auslösewerte und Expositionsgrenzwerte (Tages-Vibrationsex- positionswert A(8): der über die Zeit gemittelte Vibrationsexpositionswert bezogen auf eine Achtstundenschicht) mit Ausnahme des Expositionsgrenzwertes für Ganzkörper-Vibrationen übernommen. Der Expositionsgrenzwert für Ganzkörper-Vibrationen aus der EG-Richtlinie A(8) = 1,15 m/s² repräsentiert nicht den Stand der Technik und stellt einen politischen Kompromiss dar. Bei der Vibrations-Richtlinie handelt es sich um eine Mindestvorschrift, so dass die Mitgliedstaaten niedrigere Werte festlegen können. Die nationale Umsetzung einer europäischen Richtlinie darf nicht zur Verschlechterung des bereits erreichten Niveaus von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit führen. In Deutschland hätte dies aber eine Verschlechterung der bestehenden Situation bedeutet, denn § 4 ArbSchG verlangt die Berücksichtigung des Standes der Technik bei der Gefährdungsbeurteilung. Der Richtwert aus der ISO 2631-1:1997 beträgt 0,8 m/s² und steht auch im Einklang mit der vom Bundesminister für Wirtschaft erlassenen Gesundheitsschutz-Bergverordnung. Aufgrund des für die horizontalen Einwirkungsrichtungen zu berücksichtigenden Korrekturfaktors von 1,4 infolge der höheren Empfindlichkeit des Menschen gegenüber Scher- und Schubkräften wurde auch in Deutschland der Expositionsgrenzwert für die x- und y-Richtung wie in der EG-Richtlinie auf A(8) = 1,15 m/s² festgelegt. Für die z-Richtung wurde der Wert aufgrund der erwähnten arbeitsmedizinischen Erkenntnisse auf 0,8 m/s² reduziert.

Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass die Einwirkungen, denen die Beschäftigten ausgesetzt sind, die Auslösewerte und Grenzwerte nicht überschreiten.

 

Maßnahmen bei Erreichen oder Überschreitung eines Auslösewertes

(Hand-/Armvibrationen: A(8) = 2,5 m/s², Ganzkörpervibrationen: A(8) = 0,5 m/s²):

  • Spezielle Unterweisung der Beschäftigten

 

Maßnahmen bei Überschreitung des Auslösewertes

  • Allgemeine arbeitsmedizinische Beratung
  • Angebot von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen
  • Vibrationsminderungsprogramm

 

Maßnahmen bei Erreichen oder Überschreitung eines Expositionsgrenzwertes

(Hand-/Armvibrationen: A(8) = 5 m/s², Ganzkörpervibrationen: A(8) = 0,8 m/s² (z-Richtung), A(8) = 1,15 m/s² (x-, y-Richtung)):

  • Veranlassung von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen

 

Maßnahmen bei Überschreitung eines Expositionsgrenzwertes

  • Unverzügliches Treffen konkreter Maßnahmen zur dauerhaften Senkung der Exposition

 

Vibrationsminderungsprogramm

Nach dem Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, Risiken bei der Arbeit - also auch solche infolge Vibrationseinwirkung - zu erkennen, zu dokumentieren und durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren. Vibrationen müssen am Entstehungsort verhindert oder so weit wie möglich verringert werden. Technische Maßnahmen zur Minderung von Vibrationen haben Vorrang vor organisatorischen Maßnahmen und diese wiederum vor persönlichem Schutz. Kollektive Maßnahmen haben den Vorrang vor individuellen.

Die LärmVibrationsArbSchV enthält einen Katalog von möglichen Maßnahmen, die der Arbeitgeber bei der Festlegung der Schutzmaßnahmen aufgrund der Gefährdungs- beurteilung insbesondere zu berücksichtigen hat:

  • Anwendung alternativer Arbeitsverfahren ohne oder mit geringerer Vibrationsbelastung,
  • Auswahl besser geeigneter Arbeitsmittel,
  • Bereitstellung von Zusatzausrüstungen,
  • angemessene Wartung der Arbeitsmittel, Arbeitsplätze, Anlagen und Fahrbahnen,
  • Verbesserung der Gestaltung und Einrichtung der Arbeitsstätten und Arbeitsplätze,
  • Schulung der Beschäftigten,
  • Begrenzung der Dauer und der Intensität der Exposition,
  • Einführung von Arbeitsplänen mit ausreichenden Ruhezeiten,
  • Bereitstellung geeigneter Kleidung gegen Kälte und Nässe.