Lärmminderungsprogramm

Nach § 7 der TRLV Lärm Teil 3 ist der Arbeitgeber verpflichtet, ein Lärmminderungs- programm aufzustellen und durchzuführen, wenn die Lärmbelastung einen Tages-Lärmexpositionspegel L(EX,8h) von 85 dB(A) bzw. einen Spitzenschalldruckpegel von L(pC,peak) von 137 dB(C) überschreitet. Durch das Lärmminderungsprogramm sollen die Lärmexposition an bestehenden Arbeitsplätzen reduziert, die Arbeitsbedingungen dem Stand der Lärmminderungstechnik angepasst und Lärmgefährdungen der Beschäftigten nach Möglichkeit vermieden werden. Bei wesentlichen Änderungen am Arbeitsplatz ist jeweils besonders zu prüfen, ob das Lärmminderungsprogramm unter Berücksichtigung der Weiterentwicklung des Standes der Technik angepasst werden muss. Ein Lärmminderungsprogramm ist solange durchzuführen, bis die oberen Auslösewerte nicht mehr überschritten werden.

Ein Lärmminderungsprogramm umfasst folgende Arbeitsschritte:

  • Ermittlung der Lärmschwerpunkte
  • Vergleich mit dem Stand der Lärmminderungstechnik
  • Ursachenanalyse
  • Auswahl geeigneter Lärmminderungsmaßnahmen nach Stand der Technik
  • Lärmminderungsprognose
  • Erstellung des Lärmminderungsprogramms mit Prioritätenliste und Zeitplan
  • Durchführung konkreter Maßnahmen
  • Wirksamkeitskontrolle

 

Bei der Festlegung und Durchführung der Maßnahmen ist die Rangfolge zu berück- sichtigen, wie sie bereits allgemeingültig im § 4 ArbSchG formuliert ist. Zunächst muss die Lärmemission am Entstehungsort verhindert oder so weit wie möglich verringert werden. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob alternative Arbeitsverfahren angewendet, emissionsarme Maschinen oder Werkzeuge eingesetzt und bauliche oder gestalterische Schallschutzmaßnahmen in der Arbeitsstätte und am Arbeitsplatz durchgeführt werden können. Luftschall ist beispielsweise durch Abschirmungen oder Kapselungen, Körper- schall durch Körperschalldämpfung, -dämmung oder -isolierung zu mindern. Durch regelmäßige Wartung ist verschleißbedingten Schallpegelerhöhungen vorzubeugen. Diese technischen Maßnahmen zur Minderung von Lärm haben Vorrang vor organisa- torischen Maßnahmen wie z. B. Arbeitszeitpläne mit ausreichenden Zeiten ohne belastende Exposition.

Erst wenn die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten durch technische und organisatorische Schutzmaßnahmen nicht gewährleistet werden können, sind individuelle Schutzmaßnahmen (z. B. persönlicher Gehörschutz) anzuwenden. Der Gehörschutz ist in jedem Fall so auszuwählen, dass unter Berücksichtigung seiner Dämmwirkung der auf das Gehör einwirkende Lärm die maximal zulässigen Expositionswerte L(EX,8h) = 85 dB(A) und L(pC,peak) = 137 dB(C) sicher nicht überschreitet.

Die Verwendung von persönlichem Gehörschutz ist auch als Sofortmaßnahme und Übergangslösung zu berücksichtigen, wenn nicht rechtzeitig ausreichende technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen umgesetzt werden können.

Nach der LärmVibrationsArbSchV sind Lärmbereiche als solche zu kennzeichnen, wenn einer der oberen Auslösewerte erreicht oder überschritten wird. Die gekennzeichneten Bereiche sind, falls technisch möglich, abzugrenzen. In diesen Bereichen dürfen Beschäftigte nur tätig werden, wenn das Arbeitsverfahren dies erfordert.

Die Durchführung eines Lärmminderungsprogramms muss als kontinuierlicher Prozess verstanden werden. Das Lärmminderungsprogramm ist immer wieder zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sich beispielsweise der Stand der Technik weiterentwickelt oder sich wesentlichen Änderungen am Arbeitsplatz ergeben.

Eine Verringerung der Exposition gegenüber Lärm oder mechanischen Schwingungen lässt sich am wirkungsvollsten dann erreichen, wenn bereits bei der Planung der Arbeitsplätze und Arbeitsstätten Präventivmaßnahmen ergriffen werden und die Arbeitsmittel sowie die Arbeitsverfahren und -methoden so gewählt werden, dass die Gefahren vorrangig bereits am Entstehungsort verringert werden.